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Die Burg Dagstuhl leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Thema der Burgenromantik des 19. Jahrhunderts.
Oktavie, die Tochter des Barons Wilhelm de Lasalle von Louisenthal, der 1806 Schloss Dagstuhl erworben hatte, studierte am Hof des Bayerischen Königs Ludwig I. die Malkunst.

 

In den 1840er Jahren verlegte sie ihr Malatelier auf die Burgruine Dagstuhl, wodurch sie sich Ruhe und Inspiration erhoffte. Die „Malergräfin des Hochwaldraumes“ ließ hierfür den nordöstlichen Gebäudetrakt der Hauptburg, d.h. die alte Burgkapelle samt Saal und Zisterne, instand setzen.

 


Der Rückzug auf Burgen und ins Mittelalter war im 19. Jahrhundert zu einer regelrechten Modebewegung geworden. Ermüdet vom naturwissenschaftlichen Geist der Aufklärung und von einer auswuchernden Bürokratie begannen die Menschen des 18. Jahrhunderts, sich vor ihrem spröden Lebensraum mental in ein bewusst verklärtes Mittelalter zu fliehen. Dieses frei ersonnene Mittelalter malte man sich finster, kriegerisch und barbarisch aus, um aufregende heroische Erzählungen wie die Nibelungen- oder Artussagen nachinszenieren zu können.
Zugleich wurde das Mittelalter in starkem Maße romantisiert, um auch reizvolle Dinge wie die Frauenverehrung – die Minne – einbringen zu können.

 

Da die Burgen in ihren bescheidenen, klaren, nur peripher wehrhaften Architekturen weder dem Fantasiebild der fortwährend umkämpften Kriegsobjekte, noch dem der romantischen Liebeskulissen entsprachen, baute man in der Folge unzählige Burgen zu möglichst monumentalen und zugleich verspielten Silhouettenbauten aus. Zeugnis hiervon sind stark überhöhte Türme und eine Vielzahl an Erkern, Zinnen und Schießscharten.

Dieses unsinnige Mittelalter- und Burgenbild lebt noch immer in vielfältiger Form fort.

 

 

Text: Dr. Joachim Zeune

Burgruine Dagstuhl© 2021