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Bilder

Flohfänger, 16./17. Jhdt.. Dieses aus Bein gefertigte Gerät diente zum Einfangen von Flöhen und ist eine archäologische Rarität. Gefunden auf der Burg Dagstuhl während der Grabungskampagne 1999-2001
Schematische Darstellung des Brunnenabteufens. Die Kerze bringt nicht nur Licht, sondern ist lebenswichtig: sie zeigt an, ob sich in der Tiefe schon giftige Gase gebildet haben oder noch hinreichend atembare Luft existiert. Zeichnung Jörg Müller. Aus: Heinrich Boxler, Jörg Müller: Burgenland Schweiz.
Herrschaftlicher Saal mit großem Kachelofen und Glasfenstern. So ähnlich kann man sich die herrschaftlichen Räume des 16. Jhdts. auf der Burg Dagstuhl vorstellen.

Inhalt

Vom Leben auf der Burg Dagstuhl

…nicht wider in Ruin durch schättliche Gemeinschaft kommen möge…

Bauunterhalt
Die reichhaltigen Schriftquellen äußern sich zwar detailliert zu Baumaßnahmen, kaum aber zum Leben auf der Burg. Dennoch bezeugen sie für die Zeit nach 1375, als vier Familien hier lebten, eine ausgezeichnete Wirtschaftsversorgung: Vorburg und Hauptburg enthielten zahlreiche Wirtschaftsbauten (siehe Tafel "Vorburg"), die auf eine umfangreiche Tierhaltung und Naturalieneinlagerung schließen lassen. Auch gab es ein eigenes Backhaus und Brauhaus.

 

Wasserversorgung
Wichtig für die gute Lebensqualität war ein Ziehbrunnen - pütz - , der im Jahr 1609 in 109 Schuh, d.h. ca. 36 m Tiefe, Grundwasser erreichte. Rad und Zubehör (Eimer, Seil, Drehbaum) wurden mehrfach ausgebessert oder erneuert. Auch musste der Brunnen, da wenig ertragreich, wiederholt abgeteuft, d.h. abgetieft werden. Dabei spitzte der Brunnenmeister im Jahr 1560 19 Tage allein und 16 Tage mit zwei Knechten den Fels ab. Im gleichen Jahr fegte (reinigte) der Pförtner zweimal den Brunnen.


1571 wird erstmals zur Ergänzung des Wasservorrates eine Zisterne erwähnt. Als man 1619: kein wasser uff dem hauss… vorfand, galt es, entweder den zugbronnen zu reparieren oder aber das Wasser mit faßern hinuff zu führen. Gelöst wurde das Problem 1621 durch einen neuen Brunnen, der Wasser durch Röhren zugeleitet bekam.

 

Wohnen
Gehobenen Wohnkomfort illustriert auch die Anlieferung von Glasfenstern – glaiß finsteren - um 1470 und von 2.500 venedischen Scheiben (venezianischen Glasscheiben) im Jahr 1583, weiterhin die Erwähnung mehrerer Kachelöfen und Eisenöfen (1573) und eines Uhrwerkes (1552). Die Höfe wurden mehrfach gut gepflastert (1528, 1530, 1622), die Wände immer wieder verputzt.


Obwohl manche Gemeiner ihren Unterhaltspflichten nur notdürftig nachkamen und wiederholt umfangreiche Instandsetzungsarbeiten verursachten (siehe Zitat oben von 1635), war das "Schloss" samt allem Zubehör zu Beginn des 18. Jhdts. noch in gutem Zustand, außen und inwendig überaus schön gewesen.

 

 

Text: Dr. Joachim Zeune

Archivalienforschung: Johannes Naumann

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